Prora (Rügen)

Der Ort auf der Insel Rügen liegt auf der Schmalen Heide, einer natürlichen Aufschwemmung mit breiten feinen Sandstränden und einer bewaldeten Hügelkette, der Prora sowie dem Kleinen Jasmunder Bodden im Hinterland.

In Prora beabsichtigte die nationalsozialistische Organisation "Kraft durch Freude" das größte "KdF-Seebad" ("Seebad der Zwanzigtausend") zu errichten. Insgesamt waren 5 dieser riesigen Seebäder an der Ostsee und Nordsee geplant.
Grundlage für die Bauten in Prora wurde der Entwurf des Köllner Architekten Clemens Klotz (1886 - 1969), der sich der klassischen Moderne verpflichtet sah.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 02.Mai 1936.
Der Gesamtentwurf wurde 1937 auf der Pariser Weltausstellung mit einem Grand Prix ausgezeichnet.

Beschreibung der Anlage:
- acht 500 Meter lange, sechsgeschossige, gleichaussehende Blöcke in
  Skelettbauweise aus Stahlbeton, aufgeteilt in einen Nord- und einen Südkomplex
- zwischen Nord- und Südkomplex ein zentraler rund 600 Meter langer Festplatz
  mit Festhalle (deren Verwirklichung bereits 1935 aufgegeben wurde)
- 20.000 Urlauber sollten gleichzeitig in ausschließlich zum Meer ausgerichteten
  2,5m x 5m großen zentralbeheizten 2-Bett-Zimmern mit standardisierter Einrichtung
  Platz finden
- Treppenhäuser, Flure und sanitäre Anlagen und andere Funktionsräume
  befanden sich in 80 landwärts gerichteten Seitenflügeln
- Empfangshallen, Gemeinschaftshäuser mit Liegehallen, Kino, zwei
  Wellenschwimmbäder (die ersten Wellenbäder Europas), Gastronomie, ein 85 Meter
  hoher Turm mit Cafés, Anlegestellen für Boote und Schiffe
- landeinwärts eine Infrastruktur, wie Verwaltungsbauten, Bahnhof und
  Wirtschaftsgebäude

Bis 1939 wurde zügig gebaut, die Bettenhäuser waren größtenteils rohbaufertig errichtet, Dachhaut, Fenster, Heizung und Treppen fehlten. Mit Beginn des Krieges wurden die Arbeiten eingestellt. Es entstand der längste Gebäudekomplex Europas. Die Gesamtanlage wurde nie fertig gestellt.

Prora ist eine der größten architektonischen Hinterlassenschaften des NS-Regimes.
Die Reste der unter Denkmalschutz stehenden Anlage von Prora (Koloss von Prora) wirken heutzutage eintönig. Es wird schwierig sein, ein zeitgemäßes Nutzungskonzept zu finden.
In Prora entwickelte sich eine interessante "Museumsmeile", die als Ansatz für ein sinnvolles Nutzungskonzept steht.

Museumsmeile Prora (in Block 3, Prora Mitte)
- NS-KdF-Museum
- NVA-Museum
- Rügen-Museum
- Motorad-Museum (DDR-Motorradwelt)
- Deutsches Boxsport Museum
- Bildergalerie, Sonderausstellungen, Wiener Kaffeehaus
Eisenbahn- und Technikmuseum in Prora Nord

Bauten von Prora/ Geschichte:
- 1936 (02.Mai) Grundsteinlegung erfolgte am, die Hauptarbeiten begannen ein halbes
  Jahr später
- 1937 wird der Gesamtentwurf auf der Pariser Weltausstellung mit einem Grand Prix
  ausgezeichnet
- 1938 (im Oktober) wird Richtfest gefeiert
- 1939 (15.5.) wird die Eisenbahnstrecke Lietzow - Prora - Binz übergeben und
  erstmalig der D - Zug - Verkehr Berlin - Binz aufgenommen
- 1939 werden mit Beginn des Krieges die Bauarbeiten im Wesentlichen eingestellt
  Ausbildungslager von Heer und Kriegsmarine entstehen in Prora,
  Luftwaffenhelferinnen und ein Polizeibatallion werden stationiert
- 1942 erfolgt die endgültige Einstellung des Bauens
- 1944 Nutzung auch als Wehrmachtslazarett
- 1945 (ab Mai) werden Teile der Anlage zum Abtransport als Kriegsreparationen
  demontiert oder gesprengt, bis 1955 sind Einheiten der Sowjetarmee in Prora
  stationiert
- 1949 wird Prora Standort der Kasernierten Volkspolizei und die Bauten werden
  teilweise fertiggebaut
- 1956 wird Prora Militärstandort der NVA mit bis zu 8.000 Soldaten
- 1990 Auflösung der NVA und Übernahme des Standortes durch die Bundeswehr
- 1992 Auflösung des Militärstandortes Prora
- seit Anfang 1993 öffentlicher Zugang der einst gesperrten Anlage
 
 
 

Insel Rügen
Prora
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