Erfindungen des 20.Jahrhunderts
  Die technische Entwicklung des Fernsehens
Eine der Grundlagen für das Fernsehen war die vom Ingenieur Paul Nipkow (1860-1940) im Jahr 1884 patentierte Bildzerlegungstechnik. Eine spiralförmig gelöcherte Scheibe wurde vor dem Aufnahmegegenstand in Drehung versetzt. Das äußerste Loch der "Nipkowscheibe" tastete einen Streifen an der Oberseite des Bildes ab, während die nachfolgenden Löcher Streifen darunter abtasteten und so das gesamte Bild. Die unterschiedlichen Helligkeitswerte (Bildelemente) wurden von Selenzellen in elektrischer Spannungswerte (Bildsignale) umgesetzt. Auf der Wiedergabeseite erfolgte der Aufbau des Fernsehbildes nach einem Zeilenverfahren auf elektromechanischer Grundlage.
Bis zur ersten Fernsehübertragung dauerte es noch 35 Jahre und 50 Jahre, bis zum Probebetrieb des ersten öffentlichen Fernsehsenders. Pate standen Entwicklungen aus der Radiotechnik und der Bildfernübertragung (1906 wurde das erste Fax gesendet) und nicht wenige Erfindungen wurden mit Nobelpreisen bedacht.
Heinrich Hertz (1857-1894) entdeckte 1886 die Fernwirkung elektromagnetischer Schwingungen, auf der die drahtlose Rundfunktechnik basiert. Noch heute werden die Frequenzen in Hertz (Hz) angegeben.
Der französische Physiker Edouard Branly (1844-1940) konstruierte 1888 ein Gerät (später " Kohärer" genannt), mit dem elektromagnetische Wellen nachgewiesen und in elektrischen Strom umgewandelt werden konnten. Mit dem von Guglielmo Marconi (1874-1937) konstruierten Sender aus einem Hertzschen Funkeninduktor und einem Branlyschen Kohärer ging schon 1895 ein Funksignal durch den Raum, das eine elektrische Klingel (also ferngesteuert) zum Läuten brachte. Dies war der Anfang der Funktechnik.
1904 begann das eigentliche Zeitalter der Elektronik. Mit der Erfindung eines Gleichrichters für hochfrequente Wechselströme, der Elektronenröhre bzw. Diode durch den britischen Physikprofessor John Ambrose Fleming, konnten elektronische Operationen praktisch trägheitslos und unvergleichlich schneller als mit mechanischen Verfahren ausgeführt werden.
Die erste "Rundfunksendung" gelang 1906 dem kanadischen Elektrotechniker Reginald Aubrey, ein gesprochener Text wurde erstmals drahtlos übertragen. Die erste öffentliche Radiosendung in Deutschland wurde am 29.10.1923 aus einem Berliner Studio ausgestrahlt. Weitere Entwicklungen und Schritte bestimmten den Weg zum Fernsehen:
Das erste wirklich erfolgreiche Fernsehaufnahmegerät war die Ikonoskop-Kamera. Mit der im Jahre 1928 entwickelten Erfindung des in Rußland geborenen amerikanischen Physiker Wladimir Kosma Zworykin sollten die Gegebenheiten im menschlichen Auge nachgebildet werden. Auf einer Platte bilden Millionen voneinander isolierter Photokathoden die Bildpunkte, die je nach Helligkeit eine entsprechende Ladung annehmen (eine den Rezeptoren des Auges vergleichbare Funktion). Das Ikonoskop war bei der Aufnahme auf große Helligkeit angewiesen. Im Jahre 1926 erfand der schottische Techniker John Logie Baird ein Fernsehsystem, das infrarote Strahlen verwendete, um Bilder im Dunkeln aufzunehmen. Baird übertrug 1927 Fernsehbilder nach Glasgow und1928 nach New York, allerdings auf einer Fernsprechleitung.
In Zusammenarbeit mit der Firma Telefunken verbesserte August Karolus die Bildauflösung mittels Nipkowscheibe. Auf Teststrecken von Berlin nach Leipzig, Wien, Moskau und Tokio wurden drahtlose Bildsender gesendet.
In Budapest hatte der Ungar Dénes von Mihály seit 1919 Experimente mit Fernsehübertragungen angestellt. Nach seinem Umzug nach Berlin 1925 verstärkte er seine Forschungen.
Auf der 5. Großen Deutschen Funkausstellung 1928 in Berlin erlebte das Fernsehen seine Weltpremiere. Der 31.08.1928 gilt als Startdatum des Fernsehens. Karolus stellte den Telefunken-Prototyp mit einer Bildgröße von 30x40 cm und einer Auflösung von etwa 10.000 Bildpunkten vor. Die deutsche Reichspost bot Mihály die Möglichkeit, seinen Telehor-Fernseh-Apparat auf ihrem Stand der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sein Telehor mit einer Bildgröße von 4x4 cm und nur 900 Bildpunkten hatte der eine wesentlich schlechtere Bildqualität, erzielte aber eine bessere öffentliche Resonanz. In New York wurden 1930 die ersten Fernsehsendungen versuchsweise ausgestrahlt.
Das erste vollelektronische Fernsehbild führte 1930 Manfred von Ardenne (1907-1997) vor. Er stützte sich dabei auf die bereits 1897 von dem Physiker Karl-Ferdinand Braun (1850-1918) entwickelte Kathodenstrahlröhre, die nach ihm benannte Braun'sche Röhre (in einem flaschenförmiger Niederdruck-Glaskolben werden Bilder mittels magnetisch ablenkbarem Elektronenstrahl auf einen phosphoreszierenden Leuchtschirm projiziert). Der erste elektronische Fernsehempfänger mit Braun'scher Röhre wurde 1931 von der Firma Loewe vorgestellt. Fast alle Fernsehgeräte der Welt funktionieren bis heute auf diesem Prinzip.
Die nun verstärkten Entwicklungsarbeiten, jetzt auch offiziell von der Reichspost im Fernsehlabor des Reichspostzentralamtes in Berlin-Witzleben betrieben, führten bald zum Erfolg. 1932 wurde auf der Funkausstellung erstmals ein Gerät mit einer Bildröhre, nach dem heutigen Prinzip vorgestellt.
Am 22.03. 1935 begann die regelmäßige Ausstrahlung eines Fernsehprogramms in Deutschland. Dieser erste regelmäßige Fernseh-Programmbetrieb der Welt wurde von Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky im Berliner Haus des Rundfunks vor mehr als 100 geladenen Gästen eröffnet, nicht ohne propagandistische Zwecke und das Dritte Reich sollte so als wirtschaftlich führend im Bereich der modernen Fernseh-Technologie herausgestellt werden.
Allerdings gab es in Berlin und Umgebung nur etwa 250 Fernsehempfänger; die Industrie war noch nicht bereit zur Massenfertigung von Fernsehempfängern. Daher eröffnete die Reichspost am 09.04.1935 die erste öffentliche Fernsehempfangsstelle für den Gemeinschaftsempfang, weitere "Fernsehstuben" wurden in rascher Folge eröffnet. Der Eintritt für jeweils ca. 30 Personen, die ein 18x22 cm großes Fernsehbild betrachten konnten, war kostenlos. Die Publikumsreaktionen waren recht verhalten, angesichts der im Vergleich zur Kinoleinwand bescheidenen Präsentationsfläche. Ein knappes Jahr später eröffnete der "Fernsehsenders Paul Nipkow" in Berlin den regelmäßige Programmdienst. Zu den ersten großen Fernsehübertragungen zählten die XI. Olympischen Spiele von 1936 in Berlin. Die Olympiade war auch ein technisches Großereignis. Es gab die erste fahrbare Fernsehkamera: Die "Fernsehkanone", eine Ikonoskop-Kamera mit einer Bildauflösung von 180 Zeilen und einer beeindruckenden Größe: Gewicht: 45 kg, Linsendurchmesser 40 cm, Gesamtlänge: 2,20 m. Erstmals gab es Liveübertragungen per Kabel, die Bürger Berlins und Leipzigs in 25 Fernsehstuben mitverfolgten. Die meisten Sendungen wurden aber nach dem sogenannten "Zwischenfilmverfahren" übertragen.
 
 
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